02.10.2004, Oberwerth, Koblenz :

 

des Muscheldoktos Premiere

Vorspiel:

Nun war es also soweit: Meine Premiere auf dem Oberwerth, nach dem Unzug nach Koblenz muss man sich natürlich auch mal um den heimischen Fußballclub kümmern. Und die sind ja immerhin, genau wie die Fortuna dieses Jahr, in die 3. Liga aufgestiegen. Anders als Fortuna überrascht der TuS mit konstant guten Ergebnissen, belegt gar den 3. Platz nach dem 8. Spieltag. Grund genug endlich mal im Stadion auf dem Oberwerth vorbeizuschauen. Zudem ist das Wetter blendend, ein schöner Herbsttag, die Sonne scheint, es hat gut 20°C, also beste Bedingungen, die Laune ist prächtig. Leider spielt die Stadt nicht ganz mit, schon seit einigen Wochen ist die südliche Rheinbrücke für Fußgänger und Radfahrer gesperrt, aus den geplanten 3 min werden 30 min bis zum Stadion. Was hilft’s? Pünktlich 14:25 Uhr bin ich am Stadion, 17.000 gehen rein. Gegen die Bayern Amateure hatte man die Jahrzehntrekordkulisse von ca. 10.000 Zuschauern. Damit pushten sie den Durchschnitt auf 4900 Zuschauer, aber wer will sich beklagen? Kalkuliert sind nur 1200! Da wird schon der ganze Unterschied zur Fortuna deutlich. Hier gesteht man sich von Anfang an ein, Spiel für Spiel 34 mal gegen den Abstieg zu kämpfen, der Ligaerhalt würde hier große Zufriedenheit auslösen. Den 4000 bis 5000 Düsseldorfer Anhängern scheinen dagegen oftmals die Pferde duchzugehen, der Erwartungsdruck der zusammengewürfelten Mannschaft ist dort sehr groß. So verloren sie auch dieses Wochenende wieder gegen St. Pauli. Na ja, aber das Stadion selbst: Da vermisse ich nicht nur die Müllverbrennung hinter der Tribüne, v.a. nervt die Tartanbahn, die einen weit vom Geschehen fern hält. Die Stehtribünen dazu recht flach aufsteigend und auf die Kurven beschränkt, beide Geraden gestuhlt, aber nur die Heimtribüne hat auch ein Dach... Aber wer will nur meckern? Ich nicht, habe doch sehr gute Laune! Und wer braucht ein Dach, wenn die Sonne das schöne schwarze Fortuna Trikot wärmt. Als erstes hol ich mir ein Pils vom Stand, das lokale Königsbacher ist zwar nicht der Brauereien letzter Schluss, aber immerhin frisch gezapft und keine dieser grässlichen light oder drive Versionen!

Fuppes:

Was ich dann auf dem schönen Rasen zu sehen bekam, war wirklich außergewöhnlich, nämlich außergewöhnlich schlecht! Mann o Mann, da kam zwar der Tabellenletzte, aber der TuS hatte doch allen Grund selbstbewußt aufzutreten. Aber das war wirklich Not gegen Elend, so was habe ich seit Jahren nicht mehr gesehen! Kein Rasenschach, sondern eine Mischung aus Ping Pong und Flipper war die erste Halbzeit. Nur einmal flog der Ball Richtung Tor und der war auch gleich drin... Kurz vor der Pause versenkt Dzaka (19) am langen Pfosten eine Delic (10)-Ecke im Netz, indem er tief, aber wirklich GANZ tief in die Hocke ging und einnickte. Völlig unbedrängt. Dennoch war die erste Halbzeit gut geeignet, sich einmal die Namen und Konturen der Spieler zu den Rückennummern einzuprägen, ging ja alles in Zeitlupe voran. Unverkennbar der Ami Josh Grenier (die 16) in der Koblenzer Abwehr, 10 kg zuviel, ein Kreuz wie ein Schrank (wahrscheinlich früher zuviel American Football trainiert), langsam wie Sau und deshalb immer wieder auf tumbe Fouls angewiesen oder auf die belockte 4. Nein, nein, nicht „Alle auf die vier, alle auf die vier, alle, alle , alle auf die vier!“ der war wirklich fix hinten drin und hat viele Bälle für seine Kollegen abgelaufen, Rüdiger Ziehl verrät mir das Staionheft. OK! Aber nix los mit Willmann (23), bereits 5 Saisontore, oder Grgic (9) der Goalgetter der Aufstiegssaison. Der fiel höchstens durch seine beschissene Frisur auf, irgendwie eine Mischung zwischen orange oder abricot oder Pfirsich (da muss man mal eine Frau fragen) in Striemen längs gebunden oder verzwirbelt. Wer so schön ist, trifft eben keinen Ball mehr. Nach dem Führungstreffer habe ich zu Recht angenommen, dass damit das Pulver für die ersten 45 min verschossen war.

Also schnell vor all den anderen, 2383 wie ich später höre, zum Bratwurststand und noch ein Bierchen greifen. Gute Entscheidung, nicht nur, dass ich alles schnell und günstig bekomme (Bier 1,70 für 0.3L, eine wirklich super Rostbratwurst für 1,90: SWF 1!!), vom Beginn der zweiten Halbzeit durfte man auch nichts verpassen! Da ging es plötzlich Schlag auf Schlag. Die Koblenzer machten Druck und ganz schnell zwei Tore, ein weiteres durch Dzaka nach mehrmaligen Gestocher im 16er und das dritte durch den Spielmacher Delic (10). Rechts beackerte der stets fleißige Nessos (26) deutlich erfolgreicher als in der ersten Hälfte (da hat er einmal frustriert so richtig die Sense ausgepackt und hätte dunkelrot vom Platz gemusst) die rechte Seite, schöner Pass in die Mitte und Mujakic (8) schließt zum 4:0 ab. Alle Achtung, damit konnte man nach den ersten 45 min nun wirklich nicht rechnen!!! Das Spiel danach natürlich gelaufen, aber bei dem Vorsprung irgendwie auch verständlich. Die Pfullendorfer bestätigen ihren Tabellenplatz, hatten nur eine wirklich gute Möglichkeit, die aber der sehr sichere Auer im Koblenzer Tor parierte. Damit bleiben die Koblenzer also weiter oben dabei, Chapeau!! Und ich werde sicher noch das eine oder andere Mal vorbei kommen. Vermutlich zum Jahresabschluß zum Kracher des letzten Spieltags, gegen den 1. FC Feucht. Jetzt keine dummen Wortspiele, die heißen so und kommen aus Hessen, glaub ich ;-)

Nachspiel:

Gut gelaunt ab mit dem Rad ins Gasthaus am Stadion, Bundesliga 2. Halbzeit auf Premiere. Das Rad bringt die entscheidenden Minuten und einen guten Platz an der Bar. Als kurz darauf noch ein paar Dutzend andere Besucher lärmend Unruhe verbreiten, habe ich das erste Weizen schon halb auf. Nach dem regen SMS Austausch mit den anderen Lattenknallern, war ich in der Bundesliga im Bilde. Auch da brannte nichts an. Ballack hat wohl gleich zu Anfang Fahrenhorst aus dem Spiel gecheckt, dann eine Ecke verwandelt, das Volk regt sich auf, ich jubel beim 2:0 durch Schweini. So muss es sein, das macht uns so beliebt! Auch wenn es mal nicht so läuft gewinnen wir die Spiele, geht doch Felix. Die Gladbacher spielen leider wieder nur gut mit, verlieren gegen die Wölfe, die schon zum 6. Mal 2:1 gewinnen, erstaunlich... Ein schöner Fußballtag geht zu Ende, danach beginnt das Privatleben und das gehört hier nicht hin ;-) Die nächste Partie in live und Farbe geben wir uns dann wieder gemeinsam: Nordpark wir kommen!! Das wird sicher ein Krimi der Extraklasse, Gladbach gegen Lautern mit „Carsten Jancker, Fußballgott!“ Bis dahin... Länderspiele kann schauen wer will, versucht aber nicht Freundschaftsspielberichte auf unserer Seite zu finden.

Da Muscheldoktor