19.08.2006, Düsseldorf, Flinger Broich f95:  rwer

Zugegen:
Die Uli
, Der Holländer und Der Muscheldoktor

Danke Madonna!

Vorspiel:

Was soll man sagen, das Vorspiel war diesmal recht kurz, erschöpfte sich in ein paar SMS.

Der Besuch auf Fortunas Web-Page wies es klar aus. Das Heimspiel gegen Erfurt wird am Flinger Broich im Paul-Jahnes-Stadion ausgetragen. Schön!! Nicht dieses elende Gegurke mit der Straßenbahn quer durch die ganze Stadt in den hässlichen Norden zur LTU-Arena. Stattdessen ein kurzer Ritt auf dem berühmten Drahtesel in den Nabel der Stadt, Flingern, Treffpunkt Kassenhäuschen, 30min vor Anpfiff. Da konnten wir einfach nicht widerstehen. Ein Blick in die Tagespresse verriet dann auch den Grund für dieses unvorhergesehene Vergnügen. Die bekennende Bekennerin Madonna turnt in ihrer blasphemischen Show auf Pferdchen und am Kreuz durch die LTU-Arena. Wir wünschen allen Pilgern viel Spaß für ihre 120 – 270 Euro-Tickets!! Unser Eintritt beschränkt sich dagegen auf schlappe 7 Euro für einen feinen Stehplatz auf der Gegengeraden. Das Gesparte kann man also gewinnbringend in Sponsorbrause investieren. Dachten wir zumindest. Aber, kaum zu glauben, aber wahr: Es gab kein Alt im Stadion. Überhaupt kein alkoholhaltiges Getränk! Das war bei der Freundschaftsbegegnung gegen die TuS aus Koblenz noch GANZ anders. Vor Schreck aßen wir die Stadionwurst diesmal trocken... Das gibt natürlich trotz hervorragender Wurst deutliche Abzüge in der B-Note!! Ob es am Besuch aus dem Osten lag? Problemspiel gegen Erfurt? Egal, Fuppes ohne Brause ist wie Rollmops ohne Gurke....

Fuppes:

Von dem Schock noch nicht ganz erholt, waren wir mit der Wurst in der Hand gerade auf der Tribüne installiert, als es zur Flingern typischen Rockmusik den Einlauf der Spieler gab. Keine zwei Minuten später zappelte auch schon das Runde im Eckigen, aber auf der falschen Seite! Ein Blitzstart der Erfurter. Ausgerechnet Brunnemann, vor der Saison als mögliche Neuverpflichtung bei der Fortuna im Gespräch, traf ganz locker und souverän nach feinem Anspiel auf die rechte Seite. Er konnte noch ein paar Meter auf Deuß zulaufen, sich in Ruhe die Ecke ausgucken und ins lange Eck schieben. Da hatten sich die Fortunen soviel vorgenommen und dann so was. Wo war denn da bitte schön die Abwehr? Aha! Tim Kruse erstmals als linker Verteidiger in der Startelf... Und so ging es weiter. Nach dem schlechten Saisonauftakt war das schnelle Tor natürlich Gift für die Nerven der Düsseldorfer. Nach vorne zu hektisch, nach hinten gar nicht auf dem Platz. Besonders die Außen der Viererkette, Cakir und Kruse, waren nie im Bilde. Immer wieder ließen sie sich von langen Bällen auf die Seiten überraschen. Dort wollte Kruse einfach nicht dem guten Rat der rund 2000 Fans der Gegengeraden folgen und Brunnemann endlich decken. Wir schrien uns die Seele aus dem Leib, doch Kruse beschränkte sich lieber darauf den freien Raum zu decken und immer wieder hoffnungslos hinter Brunnemann herzulaufen.

Der andere Aktivposten der Erfurter, Kumbela mit der Nr. 30, kam meist über die linke Seite. Immer wieder stellte er die hilflosen Fortunen vor unlösbare Probleme. So auch in der 18. Minute als auch das Zentrum der Abwehr versagte. Eine Szene in der den Fortunen Fans das Herz stehen blieb und hinterher alle ein Loblied auf den schwachen Schiri sangen. Seine katastrophale Leistung machte sich heute wirklich bezahlt! Na ja, es war ja auch oft schon anders herum... Der aus seinem Tor stürzenden Deuß gab der schwarzen Perle mit der 30 Gelegenheit in den Strafraum zu springen. Der Schiri sah das ganze allerdings knapp vor dem 16er, gab Freistoß und Deuß die gelbe Pappe. Bei Foul, eine klare Notbremse, hätte der allerdings so was von vom Platz gehört. Sei’s drum, der anschließende Freistoß wäre gut 10 Meter am Tor vorbeigegangen. Da ein Fortune im Strafraum aber seinen Fuß dazwischen hielt und den Torwart auf dem falschen Fuß erwischte, konnten wir erneut dem Fußballgott danken. Der Ball lief gut einen Meter am langen Pfosten vorbei. So oder so ähnlich gestaltete sich die ganze erste Halbzeit.

Unvergessen auch die Szene nach einem weiteren Standard, als die unsichere Abwehr erneut fast ein Eigentor produzierte, quasi auf der Linie unmittelbar vor dem rechten Pfosten spielten die Chaoten Ping-Pong. Völlig verunsicherte Hasenfüße mit flatterndem Nervenkostüm taumelten dem Pausentee entgegen. Wir hätten uns nicht beschweren können, wenn die Partie zur Pause bereits mit 2:0 oder 3:0 entschieden gewesen wäre. Besonders die Abwehr war völlig indisponiert, aber auch Canale und Wolf im Mittefeld spielten Mädchenfußball. Mit zahlreichen Ballverlusten und mangelnder Laufbereitschaft spielten sie den Erfurtern in die Karten. Kruse völlig unbelehrbar! Nachdem die Fans schon verzweifelten mit den Hinweisen auf seine freie linke Seite, immer wieder Brunnemann, flohen sie in beißenden Spott: „Kruse! Zieh die Hosen hoch!“ Die hingen so tief, daß man sich natürlich nicht nehmen ließ ihn darauf hinzuweisen. Aber die waren vermutlich so voll, daß auch Weidemann ein Einsehen hatte und ihn genau wie Canale vom Elend erlöste. Für die beiden kamen nach der Pause Yusuf Adewunmi und der junge Costa.

Die Pausenansprache muß auch recht eindrucksvoll gewesen sein. Denn mit Beginn der zweiten Hälfte bekamen Cebe und Lambertz endlich Unterstützung in Sachen Kampfkraft. Auch der Sturm wurde endlich mit brauchbaren Bällen bedient. Einen dieser guten Zuspiele nutze Feinbier denn auch, um geschickt über ein Verteidigerbein zu straucheln. Um uns herum lauter freudig lachende Gesichter als der Schiri einen 11er gibt. DANKE! Dann lag der Ball auf dem ominösen Punkt und wartete darauf versenkt zu werden. In dem Moment war es mit den fröhlichen Gesichtern natürlich vorbei. Bei dem Spielverlauf erwarteten fast alle, daß der verschossen wird. Aber Langeneke erlöste uns von den Ängsten und drosch die Kugel hart in die Mitte. Nach dem völlig unverdienten Ausgleich ließen sich endlich auch wieder einige Fangesänge vernehmen. Unsere Aufmerksamkeit galt nun allerdings zunächst dem „Schlemmerhäusl“. Da hatte wohl das Volk am Gasherd bei der Aufregung das Grillgut vergessen. Jedenfalls fingen die Würste oder das alte Fett Feuer und es qualmte bedrohlich aus dem Fenster des Imbisswagens. Als kurz darauf jemand die Gasflasche aus dem Wagen trug und die Ordnungskräfte hektisch telefonierten während man die Flammen im Inneren züngeln sah, wurden neben uns einige Leute wirklich unruhig. Schließlich erbarmte sich die Besatzung des nahen Rettungswagens doch noch den Feuerlöscher zu benutzen.

In dichten Qualm eingehüllt folgten wir unterdessen dem Geschehen auf dem Platz. Nun ging es munter hin und her. Die Fortuna erspielte sich ein Übergewicht, aber die Erfurter blieben stets gefährlicher. Nur wenige Minuten nach dem Ausgleich war es wieder Brunnemann mit einem echten Lattenknaller! Kurz darauf klärt ein Fortune auf der Linie für den bereits geschlagenen Deuß, dann wieder eine Elfmeterreife Szene. Diesmal soll Hebestreit, der Erfurter Kapitän, gefoult worden sein. Der Schiri läßt aber laufen. Bei vielen kleinen Fouls und Szenen im Mittelfeld scheint er diese krasse Bevorteilung der Heimelf aber wieder gut machen zu wollen. Eine Katastrophe dieser Sportsfreund Bartsch aus Marnitz!! Eine Katastrophe auch, was in den letzten 20 min geschah. Zumindest für die deutlich besseren Thüringer. Wieder war es Feinbier der einen weiten Ball in die Spitze erlief, an einem Verteidiger vorbeizog, dann auch noch den Torwart ausspielte. Als er dabei schon fast die Torauslinie erreichte, haben wir die große Chance schon fast abgeschrieben. Ein kluger Lupfer über die Erfurter Deckung zu Podszus ließ uns schließlich doch jubeln. 2:1! Unglaublich nach dieser Leistung. Gerade Podszus! Kaum zu sehen, viele Ballverluste, aber im richtigen Moment zur Stelle. Das Spiel war gedreht! Mit der Führung im Rücken zeigten die Fortunen nun einige feine Konter, die allerdings meist zu unentschlossen vergeben wurden. Sogar der ängstliche, zaghafte Wolf hatte nun einige gute Szenen. So auch vor dem 3:1, das schließlich dem emsigen Cebe vorbehalten war. Ein Tor, das er sich durch sein hohes Engagement und starken Einsatz wirklich verdiente. Zudem gut herausgespielt und sehr schön anzuschauen! Wenn die Düsseldorfer ihre Nerven in den Griff bekommen, können sie vielleicht ihr spielerisches Potential mal nutzen. Nach dem wieder mal schlechten Start in die Saison ist man aber froh, wenn sie diesmal mit den Abstiegskampf nichts zu tun haben. Damit uns in den letzten Minuten nicht die Langeweile ereilt, hat Deuß dann noch einen Fernschuß in die Kiste gelassen. Da sah er ziemlich dämlich aus, wie er sich ängstlich duckte und versucht den Ball zu Fausten. „Huch, der war ja drin“ Deuß heute mit einer glatten 5 im Kasten! So zitterten wir dem Schlusspfiff entgegen. ..


Nachspiel:

Am Ende siegte die Fortuna über eine spielerisch überzeugende Mannschaft aus Thüringen. Sie hatten die Niederlage ihrer Abschlussschwäche zu verdanken. Was man sonst ja immer als Fazit unter Spiele der Fortuna schreiben muß... Die Fortuna dagegen hatte den Sieg ihrer Moral und dem Schiedsrichter zu verdanken. Und natürlich dem Glück, dem Flinger Boich und dem Feuerlöscher :) Fröhlich machen wir uns auf dem Weg ins „Goldene Faß“. Nach nur 15min noch etwas Bundesliga und v.a. lecker Weizen auf den Sieg Fortunas. Geht man in Erwins Pharaonentempel ist man frühestens zur Sportschau zurück im Zentrum... Deshalb nochmals ein kräftiges Prosit auf den Flinger Broich und Madonna!

Der Muscheldoktor